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Allgemeines Marktumfeld

Während das Marktumfeld in den vergangenen Jahren größtenteils von der Weltpolitik und den damit verbundenen Themen wie z.B. Handelskonflikt oder Brexit geprägt war, wurde alles im 1. Halbjahr 2020 durch ein einziges Ereignis in den Schatten gestellt: Corona!
Anfang des Jahres handelte es sich dabei in der öffentlichen Wahrnehmung noch um eine lokal auftretende Epidemie in einer der unzähligen Millionenstädte Chinas. Heute stellt die mittlerweile zur Pandemie erklärte Seuche unser aller Leben auf den Kopf – und zwar in einer Art und Weise, wie man es sich niemals hätte vorstellen können.
Obwohl es zumindest in Deutschland gelungen ist, die Infektionszahlen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau zu halten, lassen sich die weiteren Auswirkungen sowohl auf das wirtschaftliche als auch auf das gesellschaftliche Leben nur erahnen.
So unterschiedlich die Strategien im Umgang mit dem Virus in den verschiedenen Ländern auch sind, lässt sich doch eines bereits heute mit ziemlicher Sicherheit sagen: Der weltweite wirtschaftliche Einbruch als Folge der Lockdowns ist immens und wohl nur mit der Depression Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts vergleichbar. Umso alternativloser war und ist das Vorgehen der weltweiten Notenbanken, die mit Hilfe verschiedener Instrumente (z.B. Anleihekäufe) riesige Summen an Liquidität in das System pumpten.
Derzeit gehen die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in der Größenordnung von ca. 7 % in Deutschland aus. Für das kommende Jahr wird wieder mit einem deutlichen Anstieg gerechnet, wobei die Prognosen für 2021 momentan noch sehr weit auseinander liegen. Das Niveau vor Ausbruch der Krise wird allerdings wohl erst wieder im Jahr 2022 erreicht werden.

 

Aktienmarkt

Zu Beginn des Jahres setzten die wichtigsten Börsen ihren Aufwärtstrend des vergangenen Jahres fort. Dies führte zu steigenden Kursen und neuen Höchstständen sowohl beim DAX als auch beim amerikanischen Dow Jones-Index.
Die plötzliche Ausbreitung des Corona-Virus außerhalb Chinas führte an den Aktienmärkten zu einem drastischen Stimmungsumschwung und panikartigen Verkäufen, wie sie selbst langjährige Marktbeobachter noch nicht gesehen haben. Die verhängten Maßnahmen, die die weitere Verbreitung des Virus verlangsamen sollten, führten zu einer Verkaufswelle, die den DAX gegenüber dem Jahreshoch vom 17. Februar 2020 innerhalb von ca. 4 Wochen in der Spitze um mehr als 40 % an Wert verlieren ließ.
Fast so schnell wie die Märkte gefallen sind, setzten sie anschließend zu einer kräftigen Gegenbewegung an, die die wichtigsten Indizes fast wieder an das Vor-Corona-Niveau heranführte. Einer der Hauptgründe für die schnelle Erholung war sicherlich das entschiedene Handeln der wichtigsten Notenbanken und Regierungen, die mit ihren Maßnahmen die Hoffnung auf eine schnelle Wiederbelebung der Konjunktur befeuerten.
Unter dem Strich gab der DAX im ersten Halbjahr 7,1 % nach, der amerikanische Leitindex Dow Jones büßte im gleichen Zeitraum 9,5 % ein. Etwas besser lief es in Japan, wo der Nikkei 6,5 % verlor.
Noch stärkere Rückgänge waren in den Schwellenländern zu verzeichnen: Besonders stark fielen diese in Russland (-20%) und Brasilien (-18%) aus.

Nicht unerwähnt bleiben soll der gigantische Betrugsfall bei Wirecard, auch wenn die Ereignisse rund um Corona im Rückblick selbst diese Nachricht überlagern.

 

Rentenmarkt

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise ließ die EZB keine Zweifel an ihrer Entschlossenheit: Neben einer Erweiterung der Anleihe-Käufe von Staaten und Unternehmen um 750 Mrd. EUR stellte sie den Banken Liquiditätsspritzen und den Unternehmen günstige Kreditkonditionen zur Verfügung.
Historisches ereignete sich gleichzeitig in den USA: Innerhalb von nicht einmal 2 Wochen senkte die amerikanische Notenbank FED die Zinsen in außerordentlichen Sitzungen um 1,5 % auf eine neue Bandbreite von 0 – 0,25 %. Mit dieser bemerkenswerten Aktion stellte auch die FED ihre Bereitschaft unter Beweis, alles Notwendige zu tun, um die schlimmsten Auswirkungen der Krise abzufedern.
Auch wenn die langfristigen Auswirkungen dieser Maßnahmen nicht abschätzbar sind, muss man den Notenbanken doch zu Gute halten, dass sie mit ihrer Vorgehensweise vorerst Schlimmeres verhindern konnten und zu einer deutlichen Beruhigung der Lage an den Märkten beigetragen haben.
Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland, die ja auch schon vor Corona im negativen Bereich lagen, sanken weiter auf -0,48 % p.a. nach -0,19 % p.a. zum Jahreswechsel. Noch stärker fiel der Renditerückgang in den USA aus: Dort verringerte sich die Rendite der zehnjährigen um fast 1,3 % auf aktuell 0,65 % p.a..

 

Währungen und Rohstoffe

Auf der Währungsseite konnte wieder einmal der Schweizer Franken von seinem Status als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten profitieren: Seit Jahresbeginn kommt die Währung der Eidgenossen auf einen Anstieg von 2 % gegenüber dem Euro. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich das Englische Pfund, das im gleichen Zeitraum mehr als 7 % gegenüber der Gemeinschaftswährung verlor. Neben den Unsicherheiten rund um einen ungeregelten Brexit spielt hierbei sicher auch der wenig koordiniert wirkende Umgang des Königreichs mit der Pandemie eine große Rolle. Die Insel ist mit aktuell mehr als 43.000 Todesfällen im Zusammenhang mit Corona das am schwersten betroffene Land Europas.
Das als relativ krisenfest geltende Gold gehörte zu den wenigen Gewinnern des ersten Halbjahres: Mit einem Anstieg von mehr als 15 % strebt der Goldpreis wieder in Richtung der historischen Höchststände des Jahres 2011, die bei ca. USD 1910.- pro Feinunze lagen (aktueller Preis ca. USD 1770.-).
In Erwartung eines weltweiten konjunkturellen Einbruchs gerieten die Ölpreise mächtig unter Druck: Ein Fass der Nordseesorte Brent verbilligte sich im Lauf der ersten 6 Monate des Jahres um ca. 40 %. Es gehört zu den Besonderheiten des Jahres 2020, dass der Ölpreis zwischenzeitlich sogar kurzfristig negativ war!

 

Ausblick

Auch wenn die konjunkturellen Aussichten weltweit momentan noch düster sind, darf nicht vergessen werden, dass einer der wichtigsten Faktoren für die Aktienmärkte die Entwicklung der Geldmenge ist. Eine derart massive Liquiditätsflutung durch die Notenbanken wie sie derzeit geschieht, ist historisch einmalig. Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, wenn trotz weiterhin negativer Nachrichten aus der „realen“ Welt die Börsen überraschend gut laufen sollten.
Vieles wird sicherlich davon abhängen, ob es gelingt, die Ausbreitung des Virus einzudämmen – zumindest bis ein entsprechender Impfstoff gefunden wird.

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